Inflation und Bierverbot

Die erste Versammlung nach dem Krieg am 4.4.1919 hatte die traurige Aufgabe, die verstorbenen und gefallenen Mitglieder der vergangenen Jahre aufzulisten. Der Termin für die Generalversammlung wurde auf den 27.April festgelegt. Hier mußte der Vorstand komplett neu gewählt werden, da alle bisherigen Mitglieder ihr Amt niederlegten. Zum 1. Vorsitzenden wurde Friedrich Schütte, zum 2. Vorsitzenden H. Lürßen gewählt. Schriftführer wurde Heinrich Mählenhoff, Kassenführer Hinrich Wieting und Schießmeister Johann Glander jun.. Johann Sander wurde zum Hauptmann gewählt und Hinrich Schwarting zum Leutnant.
Die Ausrichtung des Schützenfestes gestaltete sich in dem Jahr schwierig, da der Vereinswirt Hermann Hoffrogge und der Schützenverein verschiedene Vorstellungen von der finanziellen Gestaltung hatten. Der Wirt verlangte 25% der Einnahmen als Saalmiete, der Verein drohte damit, in diesem Fall das Schützenfest ausfallen zu lassen. Man einigte sich letztendlich aber, so daß der Feier nichts mehr im Wege stand. Die Musik wurde an Johann Hoyer vergeben (6 Mann a 30 Mark) und an der Kasse saß D. Behnken. Beide blieben dem Verein und seinem Schützenfest über Jahre hinweg treu. Als Eintrittsgeld wurde für Herren 3.- und für Damen 1.50 Mark festgelegt.

Aus heutiger Sicht ist es interessant, die Preisentwicklung in den nächsten Jahren zu verfolgen. Im Zuge der Inflation stiegen sowohl die Eintrittspreise wie auch die Beiträge immer weiter an. 1921 mußten die Herren der Schöpfung auf dem Schützenfest bereits 7.- Mark Eintritt bezahlen, der Spitzenpreis wurde aber wohl auf dem 25-jährigen Jubiläum erreicht. Leider enthalten die Protokolle keine genauen Zahlen, das Eintrittsgeld für die geladenen Vereine wurde aufgrund der rapiden Geldentwertung jedoch erst mittags vom Vorstand festgelegt.
Im gleichen Jahr betrug der Beitrag für aktive Mitglieder 500.- Mark und das Eintrittsgeld für die Aufnahme im Verein sogar 4000.- Mark. Nach der Währungsreform 1924 wurde der Beitrag auf 1 Reichsmark festgesetzt, das Vereinseintrittsgeld betrug 10 RM.
Ein weiteres Kuriosum dieser Zeit ist die Anmerkung im Protokoll vom 2.5.1920, daß der König zwar 150.- Mark Handgeld bekommt, bei seiner Abholung aber kein Bier ausgeben darf. Das dieser Beschluß auf wenig Gegenliebe stieß, ist sicher nicht schwer nachzuvollziehen, und so wurde einige Wochen später bekanntgemacht, das niemand bei der Abholung auf sein kühles Naß verzichten muß.
Das schon angesprochene Jubiläum am 10. und 11. Juni 1923 wurde mit dem jährlichen Schützenfest zusammen begangen und war für alle Beteiligten ein voller Erfolg, da neben dem üblichen Ablauf insgesamt 32 Gründungsmitglieder des Vereins mit einer Medaille geehrt werden konnten. Die Anschaffung einer Königskette durch Dietrich Timmermann im Jahre 1924 (warum der König H. Möhlenhoff auf dem Bild von 1929 eine Schärpe trägt, liegt heute leider im Dunkeln) sowie das erstmals durchgeführte Preisschießen für Schulknaben beim Schützenfest 1928 bleiben die einzig erwähnenswerten Neuerungen der nächsten Jahre, ansonsten kehrte mehr oder weniger Routine in das Vereinsleben ein.

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